Werden euch ganz nett einheizen

Schöppingen - Das Bluesfestival geht am nächsten Wochenende in Schöppingen mit einem hochkarätigen Line-up über die Bühne. Dabei: Joe Louis Walker. WN-Mitarbeiter Hans Peter Kolb sprach mit ihm.

Joe, du bist mit deiner Band definitiv der Höhepunkt des Bluesfestivals in Schöppingen. Was und wen hast du im Gepäck?

Joe Louis Walker: Nun, wir haben natürlich unser neues Album „Hornet’s Nest“ dabei, von dem wir sicherlich einige Nummern spielen werden, neben anderen Arrangements. Die Band, das sind Lanny Bradford am Bass, Phillip Young an den Tasten, am Saxofon und mit Gesang sowie Byron Cage am Schlagzeug. Wir werden euch ganz nett einheizen.

Von Mississippi über den Ozean in die deutsche Provinz – was fällt dir dazu ein?

Walker: Ich habe etliche Male in den letzten 25 Jahren in Deutschland auf der Bühne gestanden. Aber angefangen hatte es vor vielen Jahren bei Radio Bremen. Ich bin eigentlich auf sämtlichen größeren und kleineren Blues-Festivals gewesen, von Hamburg über Leverkusen bis Berlin. Was die Musik angeht, sind die Fans bei euch ziemlich beschlagen. Und dann läuft das in Deutschland so: Wenn etwas erledigt werden muss, wird es erledigt, ohne Wenn und Aber (lacht). Ich brauche nicht irgendwo draußen zu stehen und eine Ewigkeit auf jemanden zu warten, der mich abholen soll. Ein hoher Grad an Professionalität, das ist es, was ich mit Deutschland verbinde. Das ist cool.

Joe, kannst du für diejenigen, die dich nicht so gut kennen, kurz etwas über deine Anfänge erzählen? Wie begann das mit dem jungen Joe und seiner Gitarre?

Walker: Meine Eltern waren beide Musiker. Sie haben mich angespornt, es mit der Musik zu versuchen. Meine fünf Cousins haben auch alle Musik gemacht. Musik war einfach ein fester Bestandteil in unserer Familie. Meine Großmutter hat in der Kirche gesungen, genau wie meine Geschwister und ich es getan haben. Man könnte es als Familienerbe bezeichnen.

Der Blues war immer dein Ding. Du hast in den 1960er Jahren mit Stars wie Jimi Hendrix, Grateful Dead und John Lee Hooker auf der Bühne gestanden. Mitte der 70er-Jahre folgte eine lange Auszeit. Du warst ausgebrannt und hast dich dem Gospel zugewandt. Wie stark ist der Einfluss des Gospel heute in deiner Musik?

Walker: Für mich ist alles in erster Linie Musik. Wenn jemand zu mir kommt und mich fragt: „Hey Joe Louis, bist Du Musiker?“ Dann sage ich „Ja“. Wenn mich einer fragt: „Bist Du Jazzmusiker oder Klassik-Musiker?“ Dann sage ich: „Ich weiß es nicht.“ Die meisten Musiker spielen doch mehr als einen Stil. Das ist wie ein Arzt, der dir bei einer Krankheit mit verschiedenen Behandlungsmethoden helfen kann. In der Musik wirst du in ein bestimmtes Genre gepackt, weil die Medien das brauchen. Es ist bequemer, einen Musiker in eine Schublade zu packen und er ist dann für diesen oder jenen Stil berühmt. Das fasst aber nicht das Ganze. Wenn du einen tollen Popsong schreibst, werden dich die Leute einen Popmusiker nennen, ganz gleich, ob dieser Popmusiker eine Menge Blues spielt oder der Bluesmusiker richtig poppige Stücke drauf hat. Die Medien machen es sich da manchmal etwas zu einfach und differenzieren zu wenig.

Wie geht es dem Blues heute?

Walker: Nun, ich bin kein Wortführer des Blues. Deswegen kann ich es dir nicht sagen. Aber was ich dir sagen kann, ist: Dem Blues geht es in Japan sicher nicht genau so wie dem Blues in Mississippi. Und ganz sicher geht es ihm anders in Paris, Texas, als in Paris, Frankreich. Es wäre also nicht wahr, wenn ich dir, so wie ich hier 1,5 Autostunden von New York entfernt in meinem Garten sitze, erzählen würde, ich wüsste, wie es um den Blues bestellt ist.

Siehst du Unterschiede zwischen den Musikern deiner Kindergeneration und dir selbst, was die Entwicklung der Bluesmusik angeht?

Walker: Es gibt unglaublich viele junge Bluesmusiker heute. Schau dir allein mal an, was bei Ruf Records oder Alligator Records abgeht. Selwyn Birchwood oder Jarekus Singleton, das sind junge Leute, die große Dinge innerhalb der Bluesmusik anstellen. Ich sehe auch viele Teenager heute, die zu meinen Konzerten kommen, oder auch zu meinen Soundchecks und mir Fragen über dieses und jenes stellen. Junge, interessierte Bluesmusiker. Weißt du, junge Leute werden immer einen Jimi Hendrix mögen, einen B.B. King oder auch einen Jimi Page. Das sind bzw. waren Leute, die ihr Instrument beherrscht haben und deshalb zur Quelle der Inspiration für die Jüngeren wurden. Birchwood und Singleton beispielsweise sind Leute, die ihr Leben der Musik verschrieben haben. Und wenn Teenager sehen, mit welcher Kreativität diese Jungs spielen, das ist schon toll. Die spielen alle Gitarre, aber jeder hat einen völlig unterschiedlichen Ansatz. Und jeder hat seinen eigenen Stil. Das ist eine unheimlich reiche Inspiration, eine Freiheit, sich durch die Musik auszudrücken. Vielleicht ein bisschen wie in der Malerei. Drück‘ 100 Leuten die Farbe Blau in die Hand, am Ende wirst du 100 ganz unterschiedliche Bilder haben. Genau wie in der Musik. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Die Ausdrucksmöglichkeiten sind nahezu grenzenlos.

Du warst kürzlich noch in Japan, bist dort aufgetreten. Was hat es damit auf sich?

Walker: Ich bin Teil des Thelonius Monk Institute. Das ist ein Verein, dem unzählige Musiker angehören, und alle widmen ihre Zeit dem Ziel, in so vielen Ländern wie möglich ein Verständnis für die Reichhaltigkeit unterschiedlicher Kulturen durch Musik zu schaffen. Der 30. April war der „Unesco Welttag des Jazz“. Aus diesem Grund veranstalteten wir zahlreiche Konzerte weltweit, unter anderem eben auch in Japan. Da sind aber nicht nur Jazzmusiker involviert. Letztes Jahr haben die zum Beispiel eine ganz große Show mit Stevie Wonder gemacht. Aretha Franklin und Herbie Hancock sind nur zwei Größen, die sich innerhalb des Thelonius Monk Institutes engagieren. Ich war dieses Jahr im Blues Sektor dabei, gemeinsam mit Chris Thomas King und John Scofield. Wir haben einen Robert-Johnson-Song interpretiert. Und das war nur der Blues-Bereich. Im Jazz-Segment sind Herbie Hancock und Wayne Shorter aufgetreten, und im Bereich Pop hatten wir Dianne Warwick als Special Guest. Daneben treten aber auch noch sehr viele andere Musiker auf.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Walker: Nach dem Auftritt in Schöppingen geht es wieder zurück in die Staaten. Wir werden dort noch einige Konzerte geben. Und bevor wir uns auf eine längere Tour nach Australien begeben, sind auch noch ein paar Konzerte in Kanada geplant. Im Oktober werde ich dann als Gastmusiker mit Archie Shepp in Frankreich auf Tournee sein. Du siehst, es gibt genug zu tun.

Wir freuen uns jetzt erst mal auf deinen Auftritt. Danke für dieses Interview.

Quelle: Westfälische Nachrichten

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