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Entertainment und Spitzen-Musik

Von Donna Grantis bis Jason Ricci - der Blues-Sonntag [Foto: Martin Borck]

Schöppingen - Mädkes an der Blues-Gitarre? Das geht doch nicht! Ha, und wie das geht: Donna Grantis zeigte am Sonntagnachmittag, dass auch Frauen scharfe Töne auf der E-Gitarre hinkriegen und außerdem exquisite Blueskomponistinnen sein können. Allerdings sind sie weiterhin eher Exoten im Blues-Biotop. Im Gegensatz zu Blues-Sängerinnen, von denen es am zweiten Tag des Bluesfestivals in Schöppingen gleich zwei exquisite Vertreterinnen gab. Einmal Shakura SAida, Partnerin von Donna Grantis, und Sängerin Roach, Frontfrau von „Café R&B“. Beide Damen verfügten über eine gewaltige Bühnenpräsenz. Roach schob ihre üppigen Kurven vampmäßig über die Bühne, hüpfte und -tanzte zu den heißen Rhythmen der Band herum, so dass man schon befürchten musste, dass sie sich im Mikrokabel verfängt. Was aber nicht über ihre kraftvolle Stimme hinwegtäuschte.

Shakura war da etwas verhaltener, doch auch ihr Auftritt hatte einen erotischen Touch. Und Donna Grantis fuhr gitarrenmäßig ebenfalls ihre Krallen aus und bezirzte die (männlichen) Zuhörer.


Das gehört zu gutem Entertainment. Doch wichtiger war und ist die Musik. Und da blieb nichts zu wünschen übrig. Donna und Shakura bewegen sich auf einer Wellenlänge, was in einigen eindrucksvollen und bewegenden Kompositionen zum Ausdruck kam. Mit der musikalischen Energie, die von „Café R&B“ ausging, hätte man das Wasser im Vechtebad auf angenehme 28 Grad heizen können...

Auch wenn die fünf Bands am Sonntag jeweils musikalische Schwerpunkte hatten, beschränkten sie sich nicht auf einen Stil. Rhythm& Blues spielte „Café R&B“ ebenso wie Funk im James-Brown-Stil, bei dem die Funken flogen. Bei „Delta Moon“ mit den beiden Slide-Gitarristen Tom Gray und Mark Johnson waren die Südstaaten-Wurzeln der Musik unverkennbar. Ihre Musik rockte zeitweise wie die der legendären Allman Brothers Band. Aber auch sie spielten zwischendurch ruhigeren Blues.

Selbst Jason Ricci, der mit seiner Band New Blood als letzte Band die Bühne eroberte, gab sich variantenreich. Mal wirkte er wie ein Blues-Punk, der schnodderig seine Musik ins Publikum spuckte; dann verfiel aber auch er ins vertraute Schema eines erdigen Blues, zeigte sich gefühlvoll und tiefgründig.

Dass Ricci zu den besten Harp-Spielern seiner Art gehört, wurde schon in den ersten Takten deutlich. Wie ein ganzes Orchester klang sein Instrument zeitweise, dabei etwas aufgepeppt durch Elektronik. Aber seine wahre Klasse zeigte sich, wenn er seine Harp winseln ließ, die Töne auf irrwitzige Arten modulierte und sich dabei die Seele aus dem Leib spielte. Klasse: die raue Fassung von „Walk on the Wild Side“. Der geschmeidige Charakter des Lou-Reed-Originals ging zwar vor die Hunde - dafür verliehen die Musiker dem Titel eine ungeahnte Frische.

Die undankbare Aufgabe, das Publikum in Stimmung zu brngen, hatte am Nachmittag die Ben Granfeld Band (BGB) gehabt. Wie würde wohl der Blues-Klassiker „Cocain“ klingen, wenn ihn Jimi Hendrix gespielt hätte? Granfeld gab davon einen eindruck spielte den Titel schnell, hart und ab und zu jaulender Gitarre. Ganz schön selbstbewusst, der Finne! Aber nicht etwa größenwahnsinnig. Im Gegenteil: Der Gitarrist zeigte sich bescheiden und freute sich, dass er endlich mal wieder vor einem großen Publikum auftreten konnte.

Auch die BGB zeigte sich variabel. Soulige Sounds, Balladen, Songs und instrumentale Kompositionen wechselten mit einigen wenigen Coverversionen. „Balsam für die Ohren“ äußerte sich gar ein Zuhörer. Das Publikum ließ sich mehr und mehr anstecken von der mitreißenden Musik der Band.

Und so mutierte das Gelände am Vechtebad zu einem Oase für Blues-Freunde. Einer Musikgattung, die die Quelle der unterschiedlichen Musikstile ist, und einen Nenner darstellt, auf den sich Fans unterschiedlicher Bands und Musiker einigen können. Auf den T-Shirts zahlreicher Besucher prangten der Name von Jeff Beck genauso wie der von Joe Bonamassa, Rory Gallagher, The Who, den Rodgau Monotones, Neil Young oder gar AC/DC. Blues verbindet eben. Und das wurde beim Festival in Schöppingen erneut deutlich.

Martin Borck

VON MARTIN BORCK, GRONAU

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