01.07.2006 - "Finale, Finale": Alte Druckerei steht Kopf

Swetlana und ihre Mannschaftskolleginnen von der ASC - Damenmannschaft liegen sich in den Armen, jubeln so laut, dass man Angst haben könnte, die Wände der altehrwürdigen Alten Druckerei bekämen Risse. Soeben hat „Pokerface" Jens Lehmann den zweiten Elfmeter im Viertelfinal-Krimi gegen Argentinien gehalten und Deutschland damit endgültig ins Halbfinale der Fußball-WM bugsiert. „Finale, Finale, oho!!!" - wie Swetlana schreien gut 300 Fans beim Public Viewing in der Halle Hüntemann ihre Freude hinaus. Ja es hat geklappt, der Traum vom großen Coup bei der WM im eigenen Lande - er geht weiter. Nun gut - es war nicht das schönste Spiel, dass sie zuvor in 120 Minuten auf der Großbildleinwand sahen, aber es war spannend bis zuletzt - und von Erfolg gekrönt. Was für eine Stimmung! So muss es in Schöppingen zuletzt gewesen sein, als der ASC in der Oberliga nach den Sternen griff. Dabei hatte die von Kulturring und Gemeinde organisierte dritte Übertragung zunächst eher verhalten begonnen. Westfälische Zurückhaltung herrscht zunächst bei den bunt ausstaffierten Fans vor. Klar, beim Abspielen der Nationalhymne stehen alle, viele singen sogar mit. So richtig Stimmung kommt in der ersten Halbzeit aber kaum auf, sieht man einmal von wenigen Ausnahmen - so zum Beispiel die Kopfballchance von Ballack in der 15. Spielminute - ab. Der achtjährige Henning gehört mit seinem Papa Helmut zu den Zuschauern, beide sitzen im Nationaltrikot in der ersten Reihe. „Es wird eng, ich tippe 3:2 für Deutschland", schätzt der Knirps, der bei der F-Jugend des ASC spielt. Damit liegt er, wie sich später herausstellt, gar nicht so schlecht. Als Fußballkenner entpuppt sich auch Hans Küper. Der GSV-Vorsitzende kommt sich zwar nach eigenen Worten „etwas verloren vor unter all den jungen Fans", hat aber „jede Menge Spaß" und liegt mit seiner Prognose (2:1 für Deutschland nach Verlängerung) sogar noch näher an der Realität. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit der Schock: Argentiniens Alaya trifft zur 1:0-Führung für seine Farben. Indes: Die Schöppinger Fußballfans haben sich schnell gefangen, geben mit Sprechgesängen („Steh auf, wenn Du ein Deutscher bist!") zu verstehen, dass sie die Partie noch lange nicht abgehakt haben. Und sie sollen recht behalten: Die Halle steht Kopf, als Klose in der 80. Minute zum Ausgleich einköpft. Dann die Verlängerung. Selbst sonst weniger Fußballinteressierte trippeln jetzt vor Spannung durch die Halle. So auch Kulturring-Macher Richard Hölscher. Das Fußballfieber habe ihn voll gepackt, sagt er - dies auch wegen seines Sohnes, der ebenfalls in der ASC-Jugend spielt. Spätestens zu Beginn des alles entscheidenden Elfmeterschießens hält es keinen mehr auf dem Sitz. Frenetisch wird jeder Torschuss der Deutschen und jeder Fehlschuss der Argentinier bejubelt. Dann die Entscheidung: Argentinien verschießt den zweiten Elfmeter, Deutschland ist im Halbfinale! Der Traum geht weiter. Und wenn alles gut geht, und auch dieses gewonnen wird, dann dürfen sich die Schöppinger Fußballfans auf eine große Party in der Alten Druckerei freuen: Künstlerdorf-Chef Dr. Josef Spiegel - selbst bekennender Fußballanhänger — hat angedeutet, dass er in diesem Fall eine Ausnahme vom sonst geltenden Fetenverbot in der Halle machen will. Die Fans würden ihm wohl ewig dankbar sein ....

01.07.2006 - "Finale, Finale": Alte Druckerei steht Kopf