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28.11.08 - INTERVIEW: Die Kennzeichen des Thomas D

Borken. Er ist der Charakterkopf der Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier. Er ist Dichter und Denker, Vegetarier, Verfechter des Tierschutzes, Gründer einer Bauernhof-WG in der Eifel und und und. Am kommenden Samstag startet Thomas D seine Solo-Tournee. Wo? In Borken. BZ-Redakteur Peter Berger sprach vorab mit ihm.

BZ: Wie sah Ihr vegetarisches Erweckungserlebnis aus?

Thomas D: Ich war als Bub mal in Ditzingen in meiner schwäbischen Heimat beim Allgemeinmediziner und der war ein Fan von fleischloser Ernährung. Ich war überrascht, wie ein konservativer, älterer Doktor so eine Meinung vertritt. Ich hab das verinnerlicht, zumal mich diese ganzen Bilder von Massentierhaltung oder die Innereien beim Metzger schon immer angeekelt haben. In New York in Chinatown habe ich später an diesen Imbissbuden gesehen, wie da die Fische gehalten werden. Die lagen da lebendig rum und wurden ab und zu mit Wasser benetzt. Ich bekam davon Albträume.

BZ: Eine Tour-Tortur sei zu wenig Bio-Essen Original-Ton Thomas D. Wie beugt man dieser Tortur vor?

Thomas D: Wir haben unsere eigene Küche dabei. Schon allein, um diesem mancherorts vorherrschenden Catering vorzubeugen, Käsebrötchen mit eingeschwitzten Tomaten und so was. Wer mit Thomas D reist, muss wissen, worauf er sich einlässt. Wer im Team lieber Hamburger auf Fleischbasis essen will, bekommt nun keinen Eintrag ins Klassenbuch. Für mich kommen aber nur pflanzliche Alternativen in Frage.

BZ: Der Kreis Borken ist eine Hochburg der Schweinemast. Nicht mal Lust auf ein ordentliches Kotelett?

Thomas D: Hundertprozentig nein. Als toleranter Vegetarier gebe ich natürlich auch Konzerte in Schweinemast-Hochburgen.

BZ: Apropos Borken. Die Fantastischen Vier starteten des öfteren hier, jetzt Thomas D allein auch. Wieso, weshalb, warum ist das so?

Thomas D: Die Zusammenarbeit mit dem Kulturring Schöppingen als örtlichem Veranstalter ist einfach gut. Es hat sich bewährt, den Tour-Start etwas weiter draußen und nicht vor der versammelten Weltpresse zu machen, um sozusagen auf Touren zu kommen. Es waren immer wunderbare Konzerte, und ich hoffe, das Vergnügen ist auch diesmal beiderseits.

BZ: Der "M.A.R.S" liegt mitten in der Eifel. Was ist schön am Landleben?

Thomas D: Zur Erklärung: M.A.R.S. ist die Abkürzung für Moderne Anstalt Rigoroser Spakker. Wir sind Spakker, eine Art Verrückte oder Spinner, natürlich im positiven Sinne. Ich blicke hier aus dem Fenster und sehe aufs Novembergrüngrau, in der Ferne ein Vulkankegel, viel Natur. Ein wunderschönes Bild. Das entspannt, inspiriert, gibt Kraft. Trotz oder gerade wegen der Abgeschiedenheit unseres Hofes gibt es viel Nähe zu den Nachbarn. Und am Dorfleben nehme ich regen Anteil. Man kennt sich. Neulich erst war ich beim Martinsumzug.

BZ: Gearbeitet wird auch?

Thomas D: Kreativ, na klar und wie: Wir haben hier unter anderem ein Tonstudio, kümmern uns um Plattenfirma und Verlag. Landwirtschaftlich oder gärtnerisch betätige ich mich für meinen Teil eher nicht. Ich hab überhaupt keinen grünen Daumen. Das muss auch nicht. Wir haben genügend Salat und für die ganzen Schnecken auch.

BZ: Thomas D wird in wenigen Wochen 40. Zeit für eine Suche-nach-dem Sinn-des-Lebens-Zwischenbilanz.

Thomas D: Du atmest ein, du atmest aus und irgendwo dazwischen liegt er, der Sinn des Lebens. Mit fast 40 habe ich karrieremäßig viel erreicht, das ist wohl wahr. Aber ist das wichtig? Ich lerne zu relativieren. Was für mich vielleicht ein geiles Konzert war, war für andere eben nur ein Konzert. Dinge, die für mich persönlich wichtig sind, sind für andere vielleicht nur ein Furz im Wind. (Thomas D gähnt). Tschuldigung. Mein Sohn ist zehn Monate alt und hat sich heute früh schon um halb fünf gemeldet. Deswegen habe ich ein leichtes Schlafdefizit

BZ: Kennzeichen D heißt das neue Album. Was ist daran kennzeichnend?

Thomas D: Ich sehe darin einen musikalischen Befreiungsschlag. Ich wandere durch viele Genres und thematisch durch ein weites Feld. Wer Ohren hat, der höre.

BZ: Jetzt solo, bald auch wieder zu viert?

Thomas D: Auf jeden Fall. 2009 haben die Fantastischen Vier ihr Zwanzigjähriges. Es gibt eine neue Platte und eine neue Tournee.

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