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Neue Klangfarben aus dem Süden

Schöppingen - Der Blues entstand in den Südstaaten – und bis heute gelten Musiker aus dem Süden als diejenigen, die dem Genre die meisten neue Impulse geben. Was den US-Südstaaten recht ist, sollte den europäischen billig sein: Mit Frankie Chavez stand auf jeden Fall am Samstag ein portugiesischer Musiker auf der Bühne des 23. Bluesfestivals in Schöppingen.

Portugal ist nun nicht gerade für seine Bluesszene bekannt – allerdings haben der traditionelle portugiesische Fado und der Blues emotional ähnliche Wurzeln. Chavez erwies sich als grandiose Techniker. Und es gelang ihm, im traditionellen Bluessound einige neue Klangfarben anzubringen. Allein schon durch die zwölfsaitige portugiesische Gitarre, die er zeitweise benutzte und die einen neuen Dialekt in die Sprache des Blues einführte. Ansonsten bediente sich Chavez zahlreicher Effektgeräte, aber auf eine intelligente Art, die seinen per­sönli­­chen Stil hervorhob.

Schon um 14 Uhr hatten mehrere Hundert Fans den Startschuss des Festivals mit Jo Harman und ihrer Band erlebt. Wer sich vom zarten Beginn mit etlichen sanften Balladen – durchaus mit charakteristischer Stimme gesungen – einlullen ließ, kam kurz darauf aus dem Staunen nicht mehr heraus, als die britische Band mit souligem Bluesrock loslegte. Ein kompakter Sound zum Niederknien – was Jo Harman denn auch tat. Vor allem vor ihrem Keyboarder und Organisten Steve Watts. (Oder lag‘s einfach nur daran, dass sie auf ihren Schuhen mit Brikettsohlen nicht mehr stehen konnte?) Egal: Die Musik von Jo Harman war heiß. Heißer als die 30 Grad, die vor der Bühne herrschten . . .

Mr. Sipp machte Sperenzkes

Was den Blues und seine Musiker auszeichnet, ist die Kontaktfreudigkeit und Nähe zum Publikum. Starallüren sind die große Ausnahme. Nicht dass sich die Musiker nicht produzieren – aber das gehört zur Show dazu. Vor und nach ihren Auftritten mischten sich die meisten Musiker unters Publikum. Und auch während der Show. So Castro Coleman, besser bekannt als Mr. Sipp „The Mississippi Blues Child“. Er spazierte spielenderweise mit seiner Gitarre durch die Besucherreihen, machte Sperenzkes, posierte für Fotos, hatte und vermittelte Spaß. Seine Band frönte zudem immer wieder dem traditionelle „call and response“-Prinzip. Und das bezieht das Publikum ja ebenfalls stark in den musikalischen Prozess ein und sorgt für Nähe.

Von null auf hundert in einer Sekunde: So fühlte sich der Konzertauftakt der Delta Saints an. Ihre Musik erinnerte an die großen Bands des Southern-Rock. Und zwar an deren beste Zeiten. Treibende Rhythmen, variationsreiches Spiel, fetter Orgelsound – es war eine Lust, den fünf jungen Musikern zuzuhören.

Noch jünger war das Trio von Jonathon Long aus Louisiana: Der Gitarrist 25 Jahre, Bassist und Schlagzeuger erst 18: „Ich musste ganz fest versprechen, gut auf sie aufzupassen“, meinte Organisator Richard Hölscher. Die drei wirkten wie Fohlen, die zum ersten mal aus dem Stall auf die Weide kommen: ungestüm, etwas wild, laut, frech und forsch. Technisch hervorragend, fehlte ihnen aber – dem jungen Alter geschuldet – noch etwas die musikalische Reife. Was The Blues Revolution ablieferte, ist allerdings vielversprechend. Ein Trio, das Bluesfreunde im Auge behalten sollten.

Heiß war es vor der Bühne, auf der Bühne und die Musik von der Bühne: Am ersten Tag des Bluefestivals traten Jo Harman, Frankie Chavez, Mr. Sipp „The Mississippi Blues Child“, die Delta Saints, Jonathon „Boogie“ Long & The Blues Revolution sowie die North Mississippi Allstars auf.

Es wurde mal Zeit, dass jemand beim Bluesfestival so richtig auf die Pauke haut: Die North Mississippi Allstarts taten das zum Abschluss des ersten Festivaltages auf unnachahmliche Weise. Sie gaben dem Blues etwas von einer Marching Band, als sich das Trio – nur mit Drums und Pauke ausgestattet – einen Weg über das Festivalterrain bahnte. Das Seltsame dabei: Es wirkte nicht aufgesetzt. Dieser Ausflug passte, da die Musiker die Zuhörer zuvor eingestimmt hatten. Die Bluesharmonien verselbstständigten sich vor dem rhythmischen Hintergrund, man schien sie im Kopf immer noch zu vernehmen. Eine bewusstseinserweiternde Erfahrung, die die drei Musiker vermittelten. Schon das Wash­board-Gewitter hatte die Grenzen des normalen Blues erweitert. Besonders die Brüder Luther und Cody Dickinson sind die treibende Kraft in dem Trio. Kein Wunder, war ihr Vater doch die Memphis-Legende Jim Dickinson, der seine musikalische Gene offenbar weitergegeben hat.

Quelle: Westfälische Nachrichten

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